Israel
NorbertE |
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Wie in SR1/2 geschrieben, war ich ja nun mit Freund und den Frauen in Israel. Bei unserem Mopedfreund Ori privat. Einige haben mich, auch per mail, gebeten, so eine Art Reisebericht zu machen. Mach ich, bin aber immer noch am überlegen, wie, weil das Thema vielschichtig ist. Ich kann es auf KFZ beschränken, da sind wir schnell durch.  Ich kann (die Familien lasse ich generell aussen vor) auch bissel was übers Land schreiben und zeigen. Fotos, Videos und Eindrücke sind genügend da. Es ist ein Unterschied, ob man als stino Touri dorthin fährt oder ob man privat unterwegs ist. Das ist in jedem Land so. Es wird, wenn ich denn übers Land berichten soll, unweigerlich politisch. Das geht im speziellen Fall Israel garnicht anders. Sollte dort Jemand in seiner Befindlichkeit gestört sein, hör ich sofort auf. Es ist in Deutschland sowieso ein heisses Eisen und für mich eine Gratwanderung. Vorab: Ich bin schon in mehreren Ländern gewesen, auch arabischen. Israel selbst ist mit Nichts zu vergleichen. Es war für mich eine völlig neue Erfahrung. Das Erste, was Einem auffällt (wir sind 3 Uhr nachts in Tel Aviv aus dem Flieger gefallen): Das Land ist beleuchtet! Komplett und durchgehend! Einzige Ausnahme ist die Negevwüste. Ansonsten sind alle!! Strassen, der letzte Feldweg und auch die wenigen Autobahnen nachts taghell beleuchtet! Ich sagte zu Ori mehrfach: Israel don`t have an energie problem. Haben die sehrwohl, aber gleichzeitig eine Sicherheitsparanoia. Da komm ich noch drauf zurück. (Es ist recht schwierig, nachts aus dem fahrenden Auto wertwertbare Fotos zu machen) Das ist die Autobahn von Tel Aviv Richtung Süden. Taghell! Ein Video mit dem Smartphone dazu habe ich auch, ich muss es nur erst runterkratzen.  Stell ich dann hier dazu.
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Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten. Karl Kraus
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Zum Thema Sicherheit: Bevor man den Flieger nach Israel in Deutschland überhaupt betreten darf, geht man einzeln oder als Ehepaar durch eine "Befragung" der israelischen Behörden (in Deutschland, wohlgemerkt!). Knackpunkt ist das Gepäck. Wer hat den Koffer gepackt? Was ist drin? Könnte es sein, dass Jemand was in den Koffer getan hat, was ich nicht weiss? Alles sehr freundlich, aber bestimmt. Was will ich in Israel? Wie und wo verbringe ich die Zeit dort? Wir hatten das Glück, einen jungen Kerl vom Mossad dort zu erwischen, der sich an der Geschichte mit alten Mopeds und Ori als Feund begeistern konnte. Kam aber sofort messerscharf die Frage: Wie jetzt? Freund dort und noch niemals in Israel gewesen?  Das bedurfte Erklärungen.  Nachdem man diese Hürde genommen hat, erfolgt das übliche Check in. Komischerweise dockt in Schönefeld die ELAL-Maschine nicht an so einem Gate an. Sie steht frei auf dem Flugfeld und man muss dahin laufen. Dabei ist die Karre umringt von deutschem Militär. Mit MP`s und auch einen Schützenpanzer hab ich gesehn. Sorry, dass ich davon keine Fotos hab, aber das war mir dann doch zu heiss. Angekommen in Tel Aviv ist das überhaupt kein Problem mehr. Wir und das Gepäck waren sowieso schon knallhart durchleuchtet. Normales Procedere also dort. Die Lichtsache hatte ich schon und auch dort komm ich nochmal drauf zurück. Das Nächste, was bei Tag auffällt, ist: Es gibt nichts ohne Zaun drumrum. Auch dafür gibt es eine Erklärung, die ich nachliefere. Wenn etwas wichtig ist, bekommt es einen Zaun drumrum. Ist es sehr wichtig, kommt auf den Zaun Stacheldraht. Ist es ganz sehr wichtig, macht man den Zaun ev. elektrisch. Wenn es ganz dolle sehr wichtig ist, bekommt es eine Mauer mit Stacheldraht und wird ausserdem bewacht. Untenstehendes Foto werde ich ersetzen, denn ich glaube, ich hab ein Besseres. Parallel zu den Strassen/Autobahnen laufen unterirdische Wasserleitungen. Israel ist ein wasserarmes Land aber mit Landwirtschaft. Wenn man nun dort ein Feld oder Felder hat, gibt es Stiche von der Wasserleitung nach oben, die man, wenns gebraucht wird, mieten kann. Die sind allesamt eingezäunt! Aus gutem Grund!
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Ori wohnt in einer Stadt, einem Dorf, einer Siedlung 15 km westlich von Beer Sheva. Direkt vor seinem Haus steht dieser unterirdische Bunker. Der ist nicht der Einzige und für die Bewohner der umliegenden Häuser für den Fall der Fälle. Das gehört zur Sicherheitsparanoia, die aber nicht ganz unbegründet ist. Ich selbst muss sagen, ich hatte zu keiner Zeit irgendwelche "Angst". Ein auf den ersten Blick völlig normales Leben, wenn nicht die ganzen Dinge wären, die man so sieht. Die Israelis haben mehrere Probleme. Einmal sind sie umzingelt von arabischen Staaten. Bekanntlich hassen die Araber die Juden wie die Pest. Mit den umliegenden Staaten Jordanien oder Agypten im Süden hat man sich halbewege arrangiert, obgleich man diesen "arabischen Frühling" (der keiner ist) mit Argwohn beobachtet. Das zweite Problem sind die Araber in Israel selbst. Sie sind vollwertige Staatsbürger mit Wahlrecht, Bildungs- und Gesundheitsversorgung etc.. Die fühlen sich aber nicht als Israelis, sondern tun alles dagegen. Eben auch manchmal mit Sprengstoffgürteln in Einkaufscenter wandern...  Deswegen die Kontrollen. Ich hatte ständig mein kleines Taschenmesser in der Jeans. Stellt absolut kein Problem dar. Das 3. Problem sind die Beduinen, die im Land leben. Die sind ja eigentlich ein Wandervolk, Israel versucht sie jedoch in Dörfern zu konzentrieren. Auch die haben die vollen Staatsrechte. Nun ist den Beduinen zu eigen, dass sie Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, als ihr Eigentum betrachten. Wenn man an einem Beduinenhaus einen Solarkollektor sieht, so ist der keineswegs gekauft.  Deswegen die Zäune überall. Beispiel: Ori arbeitet als freier Netzwerkmanager für einige Schulen in der Umgebung. Bei einer Schule hat man immer wieder das Telefonkabel ausgebuddelt. Nun hat man dort ein Glasfaserkabel verlegt, weil da kein Kupfer drin ist. Tja, alle wussten das, nur die Beduinen nicht. Weg wars über Nacht. Das 4. Problem sind die Araber im Gazastreifen und in Jerusalem. Das ist ein spezieller Fall.
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Es passieren da auch Dinge, wo man innerlich so bissel den Kopf schüttelt. Nicht nur ich, die Israelis selber auch. Oris Nachbar ist ein pensionierter Lehrer, der durch den Holocaust mehrere Geschwister verloren hat. Der macht den Führer für Schulklassen, die Auschwitz besuchen. Viele der Kids sind aber Araber. Die fliegen also auf Staatskosten nach Auschwitz, um sich dort anzuschaun, wie der Adolf die Juden abgemurkst hat. Ori hatte das Wort dafür: Absurd. Das Nächste, was sofort auffällt, ist die permanente Präsenz der IDF. Überall und immer und immer voll ausgerüstet. Da häng ich mal paar Bilder ohne Kommentar dran.
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Zur IDF: Es gilt eine generelle Wehrpflicht für Männer von 3 Jahren, Frauen 2 Jahre. 2 mal jährlich gibts danach einen Reserveeinzug für reichlich eine Woche. Dort gibt es eine Altersobergrenze oder Frauen sind davon befreit, nachdem sie das erste Kind bekommen haben. Die IDF-Jungs und Mädels sind stolz, dabei zu sein und die Army geniesst ein hohes Ansehn. Ich weiss nicht, ob dieses Bild jeden Tag so ist. Ich hatte jedoch den Einduck, auch wegen Gesprächen zu Iran, dass irgendwas in der Luft liegt. Nur mein Eindruck.
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Kommen wir zur sehr komplexen Sache Westbank und Gazastreifen. Beides sind von der UN festgelegte Gebiete mit "Demarkationslinien" drumrum. Man findet viele Publikationen zu dieser sehr wechselvollen Geschichte. Was hören wir hier in Europa: die agressive Siedlungspolitik Israels, die Palästinenser schiessen Raketen auf Israel. Es gibt eine israelische Blockade des Gazastreifens, die Israelis bauen eine "Mauer" usw. Dazu muss man heute wissen: Es leben Araber in Israel, es leben Israelis im Westjordanland aber keine (mehr) im Gazastreifen. Durch die Westbank kann man fahren. Kein Problem. Es gibt dort Zonen, die sind israelisch dominiert, welche, die sind unter beider Aufsicht und welche, die sind nur unter arabischer Aufsicht. Dorthin fährt man besser nicht.  Diese "Mauer" gibt es nur abschnittsweise an der Grenze zur Westbank. Ansonsten ist dort ein Zaun. Die Mauer hat man nur an besonders neuralgischen Punkten errichtet, wo es immer wieder zu Zusammenstößen kam. Ich muss auch faierweise dazusagen, dass lt. der UN in der Westbank eigentlich keine Israelis sein sollten. Sind sie aber. Hier der Grenzzaun von israelischer Seite.
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Die politische Bewegung in der Westbank ist die Fatach. Es sind zwar auch Araber, aber eher gemässigt. Die Israelis und die Araber kommen in der Westbank leidlich miteinander aus und von dort fliegen auch keine Raketen. Anders der Gazastreifen. Dort lebten (die genaue Zahl weiss ich nicht mehr) 100.000e Israelis. Sollten sie eigentlich nicht. Irgendwann (auch diese Jahreszahl weiss ich nicht mehr) hat Israel dem Druck nachgegeben und diese vielen Tausend nach Israel "umgesiedelt". Mit viel Leid für die Betroffenen. Man muss es sich so vorstellen: Erst wird man animiert, da sein Haus und seine Existenz aufzubaun, dann heisst es plötzlich, Du musst weg von hier. Egal, der Gazastreifen ist praktisch "judenfrei". Mit Grenze drumrum und einer israelischen Blockade von Seeseite aus. Auch das hat seinen Grund. Ich geb mal sinngemäß eine israelische Ansicht wieder: Wir Israelis sind nun raus aus dem Gazastreifen. Die sind nun unter sich. Man sollte doch meinen, die organisieren nun was. Sie könnten z.B. einen Flugplatz baun oder was für die Bildung tun. Nein, was machen die: Sie beschiessen uns mit Raketen. In Gaza ist die vorherrschende politische Strömung die Chamas. Eine eher militante Truppe, die sogar die eignen Leute von der Fatach killen. Dazu habe ich ein Video, welches ich aber hier nicht einstellen werde. Weil die Chamas immer wieder mit Raken auf Israel schiesst, gibt es die Seeblockade. Es ist nicht so, dass die hungern oder dergleichen. Israel will nur die Warenlieferungen nach Gaza kontrollieren. Also gehn alle Lieferungen über einen israelischen Hafen und werden per LKW in den Gazastreifen geliefert. Es gibt dort LKW-Terminals von der Grösse eines Flughafens! Denen fehlt nichts! Nur bissel Grips.  Zu den Raketen: Die Gazaboys verwenden Scud, Eigenbauten und neuerdings Katjuschas mit einer Reichweite von ca. 40 km. Abgeschossen werden die völlig plan- und ziellos. Grob übern Daumen die Richtung gepeilt und ab gehts. In diesem Radius leben die Israelis gefährlich und deswegen gibts auch die Bunker. Beer Sheva liegt z.B. innerhalb dieses Radius. Bekommen tun sie den Nachschub über Tunnel (manche so gross, dass LKW`s durchfahren können) aus Ägypten. Unterbinden könnten das nur die Ägypter und die haben mit sich selber zu tun. Israel hat nun ein Raketenabwehrsystem entwickelt. Es nennt sich Eiserne KippaDer Hintergrund war und ist: So eine Scud oder Katjuscha kostet 1000 Dollar. Die Abfangrakete aber 30.000. Diese Eiserne Kippa bekommt sofort einen Raketenstart mit und analysiert an hand der Flugbahn den Einschlagsort. Liegt der in unbewohntem Gebiet, bleiben die Abfagnraketen unten.... Manchmal gehts auch schief, weil die selber gebastelten "Ofenrohre" in der Flugbahn nicht berechenbar sind. Fürsorglich kommt dann im ev. Einschlagsgebiet über Lautsprecher "red alert". Dann hat man 30 sekunden Zeit... Ich hab es selbt nicht erlebt, kann aber diese "Paranoia", besonders bei Kindern, durchaus verstehn. Machen wir noch schnell Jerusalem, Ostjerusalem und dann hör ich mit dem Politikmist auf.
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