Wie war DEIN 9. November 1989 ?, Lass uns teilhaben...
drehmoment |
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So weit ich mich zurückerinnern kann, sah ich mit meinen 19 Lenzen an selbigem Abend die Tagesthemen, moderiert von Hanns Joachim Friedrichs und war wie gebannt von dem Unfassbaren, dem Unglaublichen, dem Zusammenbruch des scheinbar Unverrückbaren -> der Mauer...
Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit Herrn Günter Schabowski - der wie nebenbei die Nachricht des Tages bereits Stunden zuvor fast beiläufig vom Zettel ablas um auf Nachfrage die am gleichen Abend stattfindende Öffnung der Schlagbäume indirekt und mit Volkes Hilfe einleitete.
Die zunächst ungläubigen Menschen, die nun vom Osten in den Westen spazieren konnten (viele wollten anfangs ja nur dies) - lachend, tanzend, weinend...
Das war auch die einzigen Tagesthemen bis heute, die mir feuchte Augen bescherten. Ich gehöre auch bis heute nicht zu denjenigen, die die Mauer zurückhaben wollen. Zudem hätte es ohne diesen 9. November dieses Forum vom Fuchs nicht gegeben und ich hätte Euch nicht kennengelernt - und auch dies wäre neben den großen Auswirkungen ein Riesenverlust und zudem jammerschade...
Und Ihr? Wo wart Ihr, was habt Ihr den Tag, den Abend gemacht?
Gruß,
Bernd
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Doc Holliday |
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Nun ich habe am Abend auch für eine Arbeit im Fach Musik gelernt...... Das kuriose war, das mein Lehrer am Morgen nicht auftauchte sowie ca. 30 % der Klasse. Da ich relativ grenznah gelebt habe (ca. 35 km) haben viele sich einen Haushaltstag gegönnt. Meine Mutter hat dann am 10.11 die nötigen Papiere / Visa was auch immer besorgt und ich habe mit meinem Vater beim MB 1000 den Anlasser gewechselt und am 12.11 ging es dann auch Richtung "WESTDeutschland" wobei ich sagen muss, wir haben den MB 1000 dann über die Grenze geschoben (da der gutgebrauchte Anlasser eigentlich auch Schrott war). Gruß Mathias ps. das kuriose ist (es fiel mir gestern auf) das auf meinem Zeugnis zwar ESP & PA vermerkt wurden, aber es gab keine Noten mehr. Kann sich das jemand erklären  Zumal das Zeugnis ja erst im Februar 90 ausgestellt wurde.
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Schraubst Du noch, oder fährst Du schon ???
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fahrfisch |
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Ich habe es 1. Nicht glauben können/wollen, da ich 3 Monate zuvor von den Grenztruppen entlassen wurde Am 9.11. war ich abends beim Training und danach im Studentenclub, ich glaube, dass das der Einzige Abend war, an dem ich mal mit Jungs getanzt habe... Auf jeden Fall haben wir unsere Zweifel im ARO (Aromatique, Thüringer Kräuterlikör) aufgeweicht, bis wir es geglaubt haben. Wir waren feste am studieren und die Leitung der Hochschule hat ein wenig Druck aufgebaut, dass wir am 10.11. nicht fehlen. Ich bin dann auch nicht gleich losgezogen, erstens hat es mich nicht sonderlich interessiert, andererseits war ich skeptisch. Kurze Zeit danach bin ich mit meinen Eltern im Trabbi nach Franken gefahren, um das Begrüßungsgeld zu holen. Genau dort, wo ich 2 1/2 Jahre Dienst geschoben habe (Übergang A72/B173 über die Sächsich/Bayerische Grenze. Sachsgrün bis Heinersgrün war der Grenzabschnitt. War ein komisches Gefühl. Im Rückblick erscheint mir die ganze Sache dann auch irgendwie indifferent, an eine Euphorie kann ich mich nicht erinnern, ich war wohl nicht oft genug angeeckt vorher. Irgendwann sind wir dann auch mit ein paar Kommilitonen nach Frankfurt /Main  gefahren und haben uns über die Zustände am Bahnhof erschreckt (im Fußgängertunnel). Und über die vielen ausländisch aussehenden Menschen. Das war echt krass... Richtig begriffen habe ich erst, was es bedeutet, als ich das erste Mal in die Alpen gefahren bin. Da hatte ich Gänsehaut, Euphorie und alles das. Es ist eine schöne Welt, die keinem gehören sollte. Gleichzeitig denke ich an die, die sich trotz der Freiheit, es tun zu dürfen, die Reise nicht leisten können. Ist zwar schon oft gesagt worden, ich finde es schade, dass der Versuch scheiterte, die beiden deutschen Staaten zusammen zu legen und etwas Neues daraus zu machen. Und der Imperialismus ist nicht das bessere System, es ist nur einfach übrig geblieben. Hendrik
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Signatur ham´wa nich, kommt aber wieder rein! Müssense halt immer wieder mal nachfragen!
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enrico-82 |
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Ich war damals noch Recht klein, nunja eben erst 7. Wir saßen daheim vorm Ferseher, den sich mein Vater an diesem Tage gekauft hatte (RFT - Farbfernseher), für DDR Mark, richtig teuer. Als dann Schabowski das Malör (wie sich herrausstellte) unterlaufen ist hat mein Vater es erst nicht glauben können. Er war ja auch vorher bei den Demos "dabei". Nachdem die ersten in den Westen gelaufen sind ging er an die Anbauwand und zog 400 DM hervor und meinte ... Sch**** ich hab hier 400DM liegen und kaufe mir heute nmen neuen Ferseher in DDR Mark zu den Tarifen  . Die Tage danach sind schwammig, wir hatten weiter Schule einige Schulkameraden fehlten und einige Leher hatten Betonstücke vor sich liegen. Mein Vater kaufte in dieser Zeit auch einen 2105 (Lada) der nur 9 Monate alt wurde, dann saß ihm ein Toyota im Kofferraum und wir hatten (obwohl überall zu haben) kein Auto für 3 Monate. Im Dezember gab es dann zu Weihnachten den ersten Citroen einen ZX Reflex. Das erste Westauto. Mein Vater vermisst den Lada aber bis heute. Mein Schwiegervater war kurz zuvor aus der Reserve (Grenzbattalion) zurück gekehrt und konnte es auch nicht gleich glauben. In den Tagen des Novembers fuhren wir nach Hof ... unglaublich diese Massen. Und was mir von bielefeld in Errinnerung blieb war die "Versifftheit" in öffentlichen Anlagen (Bettler etc.) das waren Welten die aufeinanderprallten. Gruß Enrico
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oldtimebenny |
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Hallo Also ich war da ja erst ein Jahr alt und war krank und lag im Bett ! Meine Mutter kümmerte sich um mich und mein Vater war am 10 das erste mal in Hamburg ! Er brachte mir mein geliebtes Benjamin Blümchen Kuscheltier mit . Meine Mutter am 11 im Kreis Lüchow Dannenberg ihr Begrüßungsgeld abholen ! Das ist nämlich nicht weit von und einmal über die Elbe und da ist schon Niedersachsen! mfg benny
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Mein Fahrzeuge: Star sr4-2/1 1973 Spatz sr4-1 1964 Schwalbe kr51/2e 1986 Roller sr50 b3 1987 kr50 1963
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NorbertE |
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Der Tag war ein Donnerstag, also ein ganz normaler Arbeitstag. So richtig klar im Tal der Ahnungslosen (ohne "Westfernsehn") wurde das erst am Freitag auf Arbeit. Innerhalb des Wochenendes trommelte der Buschfunk die Sache mit dem Begrüssungsgeld und dem nötigen Visum (siehe unten). Visum beschafft (mit langem Anstehn) und am 15.11. die Familie in den B1000 gepackt und in Cottbus auf die Autobahn nach Berlin. Ganz zeitig früh. Im nachhinein betrachtet sind wir im schnellen Schritttempo zweispurig als Kolonne nach Berlin. Die Autobahn war voll!! Komplett!! Die Erlebnisse dort und überhaupt die Zeit sind ein gesondertes kapitel.
Angefügtes Bild

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Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten. Karl Kraus
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DDR-Bürger |
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Ich war damals 19 Jahre und war beim der Verkündung Schabowski's bei Bekannten bei uns in Potsdam zu Besuch. Nachdem wir das gehört haben, sind mein Vater und ich, mit unserem Trabbi sofort rauf auf die A115 Richtung Grenzübergang Dreilinden. Da es ja ein KfZ-Grenzübergang war, wurden die Westdeutschen Auto's weiterhin durchgelassen, aber so gegen 23 Uhr sind auch die DDR-Bürger durchgewunken worden. Wir waren das 3. Auto, aber vor dem Grenzübertritt mußten wir noch eine Zollerklärung ausfüllen  Total behämmert Dann sind wir einfach nur geradeaus gefahren und am Funkturm ein paar mal abgebogen. Wie sich später rausstellte, sind wir genau auf'm Ku'damm gelandet Nächsten Tag sind wir dann noch mal rüber und haben uns  (zweimal)  das Begrüßungsgeld geholt. Gruß Diego
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"Gewusst wie - spart Energie"
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Star73 |
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Also ich war ja zu dem Zeitpunkt noch nicht mal auf der Welt  , aber ich habe mal meine Eltern gefragt. Meine Mutter war über ein paar Wochen zu der Zeit gerade in der SU (irgendsone Studenten- oder Fortbildungsreise, ich weiß es nicht so genau). Die hat selbst die Montagsdemos nicht mitgekriegt, da war sie schon weg. Irgendwann Anfang November (nach dem 9.) kam sie zurück und alles war "auf einmal ganz anders"  . Mein Vater war zu der Zeit zu Hause und passte auf meinen Bruder auf, der damals 4 Jahre alt war. Und irgendwie hatte es mein Vater sehr schwer, ihr das alles mal so zu erklären  , denn anscheinend waren die Nachrichtenverbindungen bezüglich dieses Themas in die SU doch sehr schlecht, jedenfalls war sie "ahnungslos", als sie kam. Es dauerte aber auch bei ihnen ein paar Tage, bis sie mit ihrem Wartburg dann mal die 100 km Richtung Westen gefahren sind. Ich für meinen Teil höre mir diese Geschichten zuweilen immer äußerst gerne an! mfG Christoph
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